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MZ-Wintertreffen

Übers MZ - Wintertreffen,

oder den Tag an dem die physikalischen Grundgesetzte doch stärker waren

Mein Bericht beginnt einige Tage vor der eigentlichen der Fahrt, ins hessische Mandeln am Edersee, zum dortigen MZ- Wintertreffen. Die Ausschreibung allein ließ schon einiges Schmunzeln aufkommen, da hier nach solchen MZ- Fahrern gefragt wurde, die Winterfest und jeder Witterung stand halten würden. Nach einigen Überlegungen stand nun endliche fest: „ Wir fahren!“. „Wir“ bedeutete: Reinhardt Kaiser, mein Papa (Martin Romahn) und meine Wenigkeit.. Allerdings nur unter dem Vorbehalt, „wenn das Wetter beständig bleibt“(so viel zu dem Thema Winterfeste Motorradfahrer, die jeder Witterung stand halten würden ) Nun gut! Die Planung stand und man wollte sich, am Donnerstag vor dem Treffen, zusammenrufen um evtl. Details und die Frage: „ Fahren? Ja oder nein?“ zu besprechen. Das Wetter an diesem besagten Donnerstag Abend und die Prognosen für das folgende Wochenende waren (leider) zu diesem Zeitpunkt recht zufriedenstellend, sodass kein Grund bestand, das ganze Vorhaben abzublasen. Es stand nun fest, dass man sich am Samstag morgen um ca. 7:45 Uhr beim Kaiser treffen, und um 8:00Uhr los fahren wollte. So konnte man sich darauf einstellen das angekündigte Frühstück ,beim Treffen, gemütlich zu erreichen (das Frühstück noch zu erreichen hatte oberste Priorität).Doch schon am nächsten Tag bahnten sich kleinere „Problemchen“ an. Papi klagte über Unwohlsein und Fieber (ganze 37,5°C) und das Wetter wurde auch zunehmend schlechter. Es nieselte stetig...Aber es war ja alles geplant und ein Zurücktreten nur im äußersten Notfall gestattet. Außerdem hatte ich mich von Anfang an auf das Treffen eingestellt und hätte es eigentlich auch kaum zugelassen nicht zu fahren. (Außerdem sind wir ja harte Biker .)

Endlich war es Samstag...

Um 5:30Uhr klingelte, der Wecker! (Himmel, Herrgott, was für eine Zeit an einem Samstag Morgen!) Nachdem alles aufgerödelt, verstaut und angezogen war konnten wir um kurz nach 7:00Uhr Iserlohn in Richtung Linnepe verlassen. Der Wettergott meinte es nicht gut mit uns und wie schon am Freitag nieselte es mal mehr, mal weniger, aber ganz aufhören tat es nie. In Linnepe angekommen ging es auch schon nach kurzer Pinkelpause und Fahrerwechsel weiter. Bis dahin lagen wir gut im Zeitplan...

Reinhardt hatte sich eine schöne Strecke überlegt die uns über die schönen Straßen des Sauerlandes führen sollte. So weit so gut. Aber, laut Überschrift, sollte der Tag wohl noch etwas mit den physikalischen Grundgesetzten zu tun haben und genau dies geschah auf dem Weg von Mollseifen nach Züschen. Eine schöne kurvige Strecke lässt wohl jedes Motorradfahrerherz höher schlagen, aber in diesem Fall sollte das Papa irgendwie zum Verhängnis werden. Angetrieben davon an Reinhardt dran zu bleiben und durch eine Fehleinschätzung der Kurve bzw. Bodengegebenheiten, passierte etwas, das ich nie für möglich gehalten hätte! Wir kamen mit dem Gespann zu schnell den Berg hinunter und somit auch in die Kurve. Der Boden war nass und rutschig an dieser Stelle und außerdem hat der gröbere Vorderreifen nicht die besten Hafteigenschaften auf nassem Untergrund(mal ganz abgesehen davon, dass die Bremswirkung der Beiwagenbremse und Hinterradbremse fast gleich null ist ). Die folgenden Bremsversuche von Papa waren also wenig erfolgreich sodass eher eine Rutschenpartie daraus wurde. Dies führte dann unweigerlich zum „parken“ im Graben

Es war wirklich wie einparken, denn es machte nur einmal „Schwups“ und das Gespann hatte sich eingegraben. Nachdem wir festgestellt hatten das uns nichts passiert war, waren die ersten Worte von Papa: „Ups“ und „Bremspunkt verpasst“ und ein breites Grinsen machte sich breit. Ich malte mir schon aus, dass das Gespann nun nicht mehr fahrtüchtig wäre. Aber hey, falsch Gedacht. Das ist eine MZ! Wir mussten zunächst erst einmal nur feststellen, dass der Kupplungshebel abgebrochen, und nachdem Papa das Motorrad freigegraben hatte, der Schalthebel nun zu einem Designerhebel aufgerollt war. Reinhardt, der mittlerweile zurückgekehrt war, dokumentierte alles mit seiner Kamera für die Nachwelt bzw. die Zurückgebliebenen.(Eigentlich dienen diese Dokumentationen nur dazu, später im Club viel erzählen zu können .) Gemeinsam beförderten wir das Gefährt wieder auf asphaltierten Boden. Aber was nun? Ohne Kupplungshebel ließ es sich nicht ganz so gut fahren, denn das Problem mit dem Schalthebel war schnell wieder, im wahrsten Sinne des Wortes, geradegebogen. Natürlich fehlte genau dieser Hebel im Ersatzteilesortiment. „Wer rechnet schon damit, dass der abbricht?“ (Original Wortlaut der beiden). Nach hin und her entschied sich Papa den Dekompressionshebel, der eh keiner Funktion zugeteilt war, als Kupplungshebel weiter zu verwenden. Es war ja nicht mehr weit bis zum Ziel und aufgeben gab es nun nicht mehr.( Obwohl der Kaiser am Abend erzählte das er sich schon auf einen Abend auf der Couch eingestellt hatte, weil er schon vor sich gesehen hatte das Ziel wieder einmal nicht zu erreichen. Jahre zuvor, als er es versuchte das Treffen zu besuchen, war im nämlich seine Kette gerissen.) Mit Hilfe von einem Leathermen, einer Schlauchschelle ( hat man ja immer dabei ), Kabelbinder (mit denen kann man sogar ganze Mopeds zusammenhalten) und genügend Panzertape, wurde aus dem unscheinbaren Dekompressionshebel, ein fast neuer und optisch tot schicker Kupplungshebel .

Während der ganzen Reparatur bzw. dem Improvisieren wurden aus dem Nieselregen, passender weise, große Regentropfen. Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch. Sie war ausgelassen und so wurde sich auch darüber amüsiert, dass Papa sich erst bei der Reparatur des Gespanns mit dem Leathermen eine Verletzung zuzog, die anschließend mit Taschentüchern und Panzertape großzügig verbunden wurde. Als das Werk vollbracht war, wurde noch schnell die Unfallstelle mit der tiefen Furche dokumentiert, die das Gespann geschaffen hatte. Alles wurde eingepackt (fast alles aber dazu später mehr) und die letzten 30km konnten in angriff genommen werden. Oh man! Was für ein Auftakt ins Wochenende.

Ohne weiter Komplikationen trafen wir dann um ca. kurz nach 11:00Uhr in Mandeln, auf dem Campingplatz ein. Es waren bereits einige interessante MZten vor Ort die natürlich gleich bestaunt werden mussten. Von NVA-Kisten bis zur Harley war alles vertreten was mindestens zwei Räder hatte. Doch auch wir wurden beäugt, denn uns kannte man ja noch nicht und auch unsere Gespanne wurden begutachtet. Dazu muss man sagen das wir sehr freundlich und offen Empfangen wurden. Auch das angestrebte Frühstück bekamen wir noch, trotz der Verspätung mit den Worten: „ Bei uns ist noch keiner hungrig wieder weg gefahren!“. Papa hatte derweilen einen alten Bekannten aus dem MZ-Club-Deutschland wiedergetroffen. Beiderseits merkte man großes Erstaunen über das wiedertreffen nach 11 Jahren ohne Kontakt an. Kurt und Papa hatten sich also wieder gefunden und tauschten sich das Wochenende über aus, was während der Zeit so alles geschehen war. Diese Begegnung eröffnete uns am Ende des Treffens den Wiedereinstieg in den MZ-Club-Deutschland.

Für 12:30Uhr war eine gemeinsame Ausfahrt geplant. Bis es los ging wurden wir offen in die Gespräche mit einbezogen ohne dass man uns als „Fremde“ behandelte. Schon dort bekamen wir den Eindruck von einem lustigen Haufen, welcher sich für keinen Scherz zu schade war. Hinzu kam noch der „als“ gute hessische Dialekt einiger Teilnehmer. Gell? Die Zeit der Ausfahrt war gekommen und unschwer zu erkennen an dem starken Zweitakter-Geruch, der einem in die Nase stieg. Auf geht’s! Wir fuhrein der Kolonne mit, über schöne hessische Landstraßen, durch kleine Dörfer, bis hin zur nächsten Einkaufsmöglichkeit. Dort deckten sich alle ein mit Kuchen usw. für das nachmittägliche Kaffeetrinken. Das war einen gute Idee und so wurde ich losgeschickt um für uns selbst Kuchen zu kaufen.(Wie sich hinterher rausstellte war dieser leider eingefroren ) Alle waren eingedeckt und es konnte weitergehen. Die Gruppe hielt hier und da an und die Strecke führte uns an dem 27km langen Edersee vorbei, bei dem wir ebenfalls kurz pausierten.. Ein Ortskundiger des Clubs erzählte dort einige interessante Informationen über die Gegend und die Geschehnisse während der Kriegszeit.

Nach 2,5h kamen wir wieder am Campingplatz an und man muss resümierend sagen : „ Es gibt schon schöne Strecken im Hessenland. Dort kann man auch gut fahren!“ Pünktlich zum Kaffeetrinken wurden die ersten Fläschchen Bier von uns geöffnet und unser ja noch teilweise gefrorener Kuchen durfte auf der Heizung platz nehmen. Im weiteren Verlauf des Abends wurden per Beamer Videozusammenschnitte von vergangenen Fahrten der Mandelner MZ-Freunde gezeigt und so langsam begannen die allgemeinen Benzingespräche. Hier und dort wurde gefachsimpelt über Maschinerien oder Kuriositäten bei erlebten Treffen. Auch unsere Hinfahrt nach Mandeln wurde noch einmal resümiert. Allgemein fand die Geschichte anklang, was Papa natürlich gefiel . Reinhardt und Papa erkannten das die Physik einem doch Grenzen aufzeigt. Sie zeigten auf einmal Verständnis für die Rennfahrer im Fernseher die, wenn sie den Bremspunkt verpassen, schnurstracks im Kiesbett landen und von beiden teilweise verständnislos beäugt wurden. So passierte es uns an diesem Tag ja auch. Irgendwann kann man nun mal nichts mehr machen. (Haben wir sogar noch etwas gelernt auf der Fahrt). Doch eine „Sorge“ blieb uns bis dahin noch. Wir hatten ums verrecken keine Lust das Zelt, im dunkeln, bei Regen und vor allem nur für einen Nacht aufzubauen. Das musste doch auch irgendwie anders gehen! Mit Taschenlampe bewaffnet streiften wir über den Campingplatz, auf der Suche nach verlassenen Wohnwagen mit Vorzelten die wir für die Nacht bewohnen konnten. Aber wir fanden einfach nicht das geeignete Vorzelt. Zwischenzeitlich überlegten wir uns unter den aufgebockten Wohnwagen zu schlafen, doch auch dies verwarfen wir, da wir nicht mit einer großen Beule am Kopf am nächsten Morgen erwachen wollten. Unsere Suche ging weiter. Schlussendlich waren wir bereit uns unter eine Markise zu legen. Eine Plane unter uns und mit der anderen wollten wir uns zudecken um nicht nass zu werden. Die wildesten Ideen wurden dann aber (Gott sei Dank) zerschlagen als Papa mitbekam das einige der Anwesenden in einem Tischtennisraum schlafen würden. Kurzerhand quartierten wir uns dort ein und alle waren zufrieden. Wer weiß wo ich sonst hätte nächtigen müssen wenn das nicht möglich gewesen wäre (ich habe mich schon im Beiwagen schlafen sehen ). Der Rest der Nacht gestaltete sich feucht fröhlich und weiterhin mit dem knüpfen neuer Bekanntschaften, sowie lustiger aber auch aufschlussreicher Gespräche. Zu ungewöhnlich früher Zeit vielen wir dann ins Bett bzw. besser gesagt auf den Boden (aber ich bin ja noch jung ). Nachts erfreute mich ein mehrstimmiges Schnarchkonzert, welches ich aber mittels MP3 Player kontern konnte. Die Krönung des ganzen war dann allerdings am nächsten Morgen, an dem mein lieber Vater mich so lange anstupste und ärgerte bis ich dann um 8:30 Uhr aufstand. (Das habe ich ihm den ganzen Tag noch übel genommen. Schon wieder so früh aufstehen).Alte Menschen brauchen anscheinend nicht so viel schlaf wie junge .

Allgemeine Aufbruchstimmung machte sich breit auf dem Campingplatz denn das Ende des Treffens rückte näher. Nach oder noch während unseres Frühstücks reisten die ersten ab. Auch wir machten uns bald nach dem Frühstück daran alles einzupacken um loszufahren. Bevor wir allerdings abreisen konnten, wurden wir eingeladen zum Sommertreffen der Mandelner- MZ- Freunde. Wir mussten uns also gut benommen und einen passablen Eindruck hinterlassen haben. Auf die Frage hin ob wir irgendwelche konstruktive Kritik äußern können, mussten wir lange überlegen und schlussendlich viel uns nur ein, dass kein Schnee lag . Anderes hatten wir nicht zu bemäkeln! Ich für meinen Teil und ich denke ich spreche damit auch für Reinhardt und Papa, kann nur sagen es war ein rund um gelungenes und vor allem Ereignisreiches Wochenende. Ich hatte sehr viel Spaß und ich wurde positiv von den Leuten und der gesamten Organisation her überrascht. Ich hätte nicht erwartet dass man uns so dort einbezieht und uns am ende sogar erneut einläd. Ein großes Dankeschön an die MZ- Freunde- Mandeln und: „Wir kommen wieder!“.

Abschließend ist unsere Rückfahrt ohne Zwischenfälle verlaufen. Einen Stop haben wir eingelegt und zwar an unserer Unfallstelle, denn Papa vermisste den Nippel vom Kupplungszug. Was soll ich sagen? Oh Wunder, es kommt doch nichts weg. Die Haltebucht sah nahezu so aus wie wir sie verlassen hatten und natürlich fand sich der Nippel auch sehr schnell wieder.

Voll mit guten Eindrücken und Erinnerungen an das Treffen fuhren wir dann wieder in unsere Heimatstädte zurück. Dieses Wochenende wird lange im Gedächtnis bleiben und der Kontakt zu dem Club wird (so würde ich mir das Wünschen) bestehen bleiben bzw. weiter ausgebaut werden.

Stephanie Romahn

 

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